IP-Insider: Wann, warum und für wen sich Dark Fiber lohnt

10-05-2019

Wann, warum und für wen sich Dark Fiber lohnt

Wann, warum und für wen sich Dark Fiber lohnt

Unternehmen, Einrichtungen und Behörden stützen sich maßgeblich auf die IT. Aber IT ist mehr als nur Hard- und Software, denen meist die größte Aufmerksamkeit gilt. Konnektivität führt derzeit noch ein Schattendasein, obwohl sie das wahre Rückgrat jeder modernen Organisation ist. Zeit, sich insbesondere der Weitverkehrsvernetzung anzunehmen.

Daten und Anwendungen befinden sich immer öfter außerhalb der eigenen Büro- oder Produktionsumgebung. Die Verschiebung von On-Premises zu Off-Premises sehen wir bei kleinen und großen Unternehmen. So sehr sie sich auch unterscheiden, die Vorteile der Datenübertragung zu einem externen Standort sind für alle gleich. Und die Entwicklung ist in vollem Gange, wodurch immer mehr möglich ist und die Verwendung mehrerer Cloud-Dienste immer öfter zum Normalfall wird. Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang häufig verwendet wird, ist der des „digitalen Wandels“.

Grundlegende Entscheidungen

Ob sich eine Organisation für eine Off-Premises-Infrastruktur entscheidet oder ausschließlich Anwendungen in einer oder mehreren Clouds verwendet oder beides – es ist stets die Konnektivität, die dies ermöglicht. Konnektivität verdient deshalb einen hohen Rang in jeder IT- und Strategieagenda. Viel zu oft ist Konnektivität jedoch lediglich eine Formalität oder eine Randerscheinung, obwohl gerade sie nach grundlegenden Entscheidungen verlangt. Sie ist ein Muss, um zu vermeiden, dass IT-Architektur langfristig unbrauchbar oder unbeherrschbar wird. Dies verlangt nach einem konkreten Anforderungskatalog in Sachen Konnektivität.

Selbst die Kontrolle behalten

Konnektivität sorgenfrei mit managed Dark Fiber Glasfaser betreiben – also einer unbeschalteten Glasfaserleitung, deren Signaleinspeisung ein Service-Provider übernimmt – ist schön, bringt aber auch einige Beschränkungen mit. Insbesondere wenn ein Unternehmen eine langfristige Strategie verfolgt, zu der auch der digitale Wandel zählt, oder wenn schnell auf externe Entwicklungen reagiert werden muss.

Solche Unternehmen möchten selbst die Kontrolle behalten und nicht von externen Lieferanten abhängig sein. Deshalb entscheiden Sie sich häufig für unbeschaltete Glasfaser mit eigener Signaleinspeisung via WDM (Wavelength Division Multiplexing). Hierbei handelt es sich um eine eigene Verbindung mit einer CAPEX-Komponente und zahlreichen Vorteilen, die mit verwalteter unbeschalteter Glasfaser nicht zu realisieren sind. Insbesondere die Finanzwelt und das Gesundheitswesen – Sektoren, in denen Sicherheit und Datenschutz eine wichtige Rolle spielen – entscheiden sich häufig für unbeschaltete Glasfaser mit eigener WDM-Apparatur. Damit haben sie selbst maximale Kontrolle über die Dienste, die über die Glasfaserverbindung genutzt werden.

Jan Willem Tom, Geschäftsführer der Relined GmbH

Für wen ist ein eigenes Dark Fiber-Netzwerk geeignet?

Für die Einrichtung eines eigenen Netzwerks fallen Investitionen an: Für die Anschaffung von Routern, für die Herstellung von Verbindungen und fallweise auch die für Verlegung der „letzten Meile“, also der Glasfaserverbindung bis zu einem Unternehmensgebäude. Trotzdem ist dies langfristig oft kostengünstiger als die Entscheidung für einen Bandbreitendienst.

Im letzteren Fall mietet man Kapazität bei einem Service-Provider und benutzt diese gemeinsam mit anderen Kunden im Sinne eines shared Mediums. Dabei ist man einerseits abhängig vom Angebot der Dienste, andererseits fallen auch noch Mehrkosten an, wenn man zusätzliche Dienste oder Bandbreiten braucht.

Darüber hinaus ist ein eigenes Netzwerk besonders geeignet für Unternehmen, in denen die Datensicherheit unbedingt gewährleistet sein muss. So hat man alles selbst in der Hand und ist der einzige Benutzer des Netzwerks. Damit haben wir auch gleich die Frage beantwortet, für wen eine eigene Dark Fiber-Lösung geeignet ist: Größere Unternehmen und Organisationen, die auf stabile, zuverlässige und sichere Verbindungen angewiesen sind.

Skalierbarkeit

Meistens besteht bei diesen Betrieben oder Organisationen auch Bedarf an einer großen verfügbaren Bandbreite, während man auch großen Wert auf vollständige Kontrolle über das eigene Netzwerk legt. Exemplarisch seien hier Rechenzentren, Netzwerkbetreiber, ISPs, Hosting-Anbieter und Systemintegratoren genannt. Aber auch Unternehmen in der Großkundenversorgung, Organisationen im Gesundheitswesen oder Behörden nutzen oft Dark Fiber.

Was versteht man unter Dark Fiber?

Mit dem Begriff Dark Fiber (man spricht manchmal auch von unbeleuchteten oder unbeschalteten Fasern) sind Glasfaserverbindungen gemeint, an die noch keine aktiven optischen Komponenten angeschlossen sind. Die aktiven Komponenten werden für den Versand und Empfang der Daten über die Glasfaserverbindung benötigt. Ohne diese aktiven Komponenten bleibt die Faser somit unbeleuchtet, also im wahrsten Sinne des Wortes dunkel (Dark).

Die Vorteile von Dark Fiber

Dark Fiber bietet die Grundlage für ein eigenes, auf die Zukunft ausgelegtes Netzwerk. Weil es in unserem Land schon so viele Glasfaser-Netze gibt, ist es gar nicht erforderlich, selbst ein Netzwerk zu bauen bzw. Kabel zu verlegen. Oft kann ein bereits bestehendes Netzwerk genutzt werden, wobei dann nur die „letzte Meile“ zum Standort gebaut bzw. verlegt werden muss. Mit dem Systemlieferanten Ihrer Wahl können Sie auf Grundlage eines Dark Fiber-Netzwerks also Ihr eigenes Netzwerk aufbauen, das ganz auf Ihren Bedarf abgestimmt ist. Im Detail sind die Vorteile von Dark Fiber:

  • Unbegrenzte Bandbreite
    Eine Dark Fiber-Lösung kann einer Organisation eine enorme Bandbreite bieten – ja eigentlich sogar eine unbegrenzte. Das ermöglicht eine schnelle Datenübertragung und eine optimale Konnektivität für den Nutzer. Sie zahlen nur für die Glasfaserverbindung und die Komponenten, es wird also nicht nach Mbits oder Gbits abgerechnet, wie das bei einem Bandbreiten-Dienst der Fall ist.
  • Skalierbarkeit
    Ein weiterer Vorteil besteht in der Skalierbarkeit. Weil Sie selbst die Kontrolle über die Übertragungssysteme haben, können Sie ausgehend von Ihrem eigenen Konnektivitätsbedarf hochskalieren. Sollten Sie also einem bestimmten Dienst mehr Bandbreite zuweisen wollen oder dem Netzwerk zusätzliche Dienste hinzufügen wollen, ist das im Handumdrehen geregelt. Dafür brauchen Sie keine zusätzliche Bandbreite dazuzukaufen.
  • Alles selbst im Griff
    Sie haben alles selbst im Griff. So kann eine Organisation ihr eigenes Netzwerk aufbauen und folglich ihre eigene Netzwerkstrategie entwickeln. Alle strategischen Entscheidungen im Umfeld von Einrichtung, Management und Absicherung des Netzwerks treffen Sie selbst. Sie können selbst bestimmen, mit welchen Dienstleistern Sie zusammenarbeiten wollen, beispielsweise, von wem Sie die Internet-Dienste beziehen wollen. Auf den Punkt gebracht: Sie begeben Sich nicht in die Abhängigkeit Dritter, sondern haben Management, Wartung und Kosten des Netzwerks komplett selbst im Griff.

 | Autor / Redakteur: Jan Willem Tom / Andreas Donner
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